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Kinder ernst nehmen

 
Kinder ernst nehmen
Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht
(afrikanisches Sprichwort)
 
Wichtiger, als alle Kenntnisse ist die Bereitschaft der Eltern, die Bedürfnisse und das Verhalten ihres Kindes ernst zu nehmen. Das heisst, wenn ein Kind eine bestimmte Erfahrung machen will, dann ist diese auch sinnvoll für seine Entwicklung. Dazu gehört auch zu akzeptieren, dass wenn die Signale ausbleiben, ein Kind für einen bestimmten Entwicklungsschritt noch nicht bereit ist.
 
Die Entwicklung des Kindes können die Eltern unterstützen, indem sie dem Kind Geborgenheit vermitteln und Zuwendung geben.
  • Geborgenheit durch gegenseitiges Vertrauen. Es muss nicht nur eine Person mit dem Kind vertraut sein. Für das Kind ist es jedoch wichtig, dass die Vertrauensperson das Kind und dessen Bedürfnisse kennt.
  • Geborgenheit durch Verfügbarkeit. Die Bedürfnisse eines Kindes sollen zuverlässig befriedigt werden.
  • Geborgenheit durch Beständigkeit. Durch Konstanz werden Bezugspersonen vertraut und in ihrem Verhalten voraussagbar. Das schafft Vertrauen. Ein regelmässiger Tagesablauf und Rhythmen sind für das Wohlbefinden und für die Leistungsfähigkeit eines Kindes wesentlich.
  • Geborgenheit durch Angemessenheit. Da jedes Kind anders ist und das Bedürfnis nach Geborgenheit bei jedem Kind unterschiedlich gross ist, muss die Bezugsperson wohl den nötigen Rückhalt geben, aber nicht zu sehr die kindliche Aktivität einschränken.
  • Geborgenheit durch Kontinuität in der Betreuung. Das Kind sollte jederzeit an eine Bezugsperson gelangen.
 
Ein Kind fühlt sich nicht umso wohler, je mehr Zuwendung es erhält. Es bestimmt die Zeit und Dauer, wenn es die Zuwendung braucht. Zuwendung, die das Kind nicht verlangt empfindet es oft als störend. Eine weitere wichtige Form der Zuwendung ist das gemeinsame Erleben. Den Erwachsenen bei ihren Aktivitäten zuzusehen und allenfalls mitzutun ist ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Lernens und bedeutet für ein Kind immer auch Zuwendung. Je älter ein Kind wird, desto bedeutungsvoller wird die soziale Anerkennung. Nicht immer soll nur die Leistung des Kindes anerkannt werden.
 
Wie können Eltern die Kinder unterstützen:
  • Vorbild sein. Kinder nehmen sich Eltern und Geschwister zum Vorbild. Mit der Zeit kommen auch Vorbilder von ausserhalb der Familie dazu. So nimmt das Kind wahr, wie die Mutter ihre Freizeit verbringt, wie sie Konflikte löst, wie der Vater sich kleidet und wer welche Aufgaben im Haus übernimmt. So leben die Eltern dem Kind auch Wertvorstellungen vor: Was bedeutet Geld, wie wird damit umgegangen, wie ist der Umgang mit Mitmenschen, Tieren, etc.
  • Wer bestimmt? Das Kind bestimmt schon im frühen Alter gewisse Kompetenzen, z.B. wie viel Schlaf und Nahrung es braucht. So dürfen Eltern nicht verlangen, dass das Kind den Teller leer ist, den die Eltern geschöpft haben oder dass das Kind von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens schlafen muss. Es liegt aber an den Eltern einzuteilen, wann es Zeit ist zu Essen, was es zu essen gibt oder wann Schlafenszeit ist. Grundsätzlich gilt: Ueberall, wo das Kind kompetent ist, darf es bestimmen; in allen anderen Bereichen entscheiden die Eltern.
  • Vertrauen in die Stärke der Kinder haben. Die Eltern sehen ein, dass sich ihr Kind nur bedingt nach ihren Vorstellungen und ihren Vorgaben entwickeln wird. Lebenstüchtig wird das Kind dann, wenn es seine Stärken selbst entwickeln kann.
  • Das Vertrauen gewinnen, dass sich das Kind entwickeln will und auch wird. Die Eltern überlassen die Initiative dem Kind, das Lernen an sich ist ebenso wichtig wie die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse.
 
Wenn das Kind gedeiht, gesund, zufrieden und motorisch aktiv ist und sich an seiner Umgebung interessiert zeigt, dann ist es ausreichend ernährt, bekommt den notwendigen Schlaf und erhält genügend Geborgenheit und Zuwendung. Ein derart selbstbestimmtes Kind akzeptiert auch die Grenzen, die ihm die Bezugspersonen setzen müssen. (aus Remo Largo: Kinderjahre, Piper Verlag, München)