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Die prägenden ersten Jahre

Die prägenden ersten Jahre
Nach Erikson ist die Persönlichkeitsentwicklung entscheidend von der seelischen Entwicklung in der Kindheit abhängig. Die beste Voraussetzung, eine ungestörte Persönlichkeitsentwicklung zu durchlaufen, hat ein Mensch, wenn er:

  

  • im ersten Lebensjahr ein Urvertrauen aufbauen kann, das heisst das Gefühl hat, sich auf seine Bezugspersonen verlassen zu können
  • im zweiten bis vierten Lebensjahr eine beginnende Autonomie verwirklichen darf, das heisst selbst Entscheidungen treffen darf,
  • im fünften Lebensjahr ein nicht zu sensibles Gewissen entwickelt und schliesslich
  • vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr die Möglichkeit hat, sich konstruktiv mit Aufgaben auseinanderzusetzen und dabei Leistungen zu vollbringen, die von seinen Mitmenschen akzeptiert werden.

  

Doch jedes Kind entwickelt, auch bei guten Voraussetzungen, nicht nur Vertrauen, sondern auch Misstrauen, sowohl Selbstwertgefühl als auch Scham, Zweifel und Schuldgefühle und zeigt Leistungsfähigkeit wie Minderwertigkeitsgefühle. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist, welche Erfahrungen überwiegen.

Aber auch wenn bei einem Kind die schlechten Erfahrungen im Vordergrund stehen, können sich Gefühle von Vertrauen, Autonomie, Initiative oder Leistungsfähigkeit durch günstige soziale Verhältnisse auch noch später entwickeln oder auch positive Züge durch ungünstige Umstände zerstört werden.  
 
Allgemein herrscht die Meinung: Ein Kind erziehen - das kann doch jeder - oder? Dennoch beschäftigen sich viele Fachleute mit der kindlichen Psyche. Dabei geht es um die Entwicklung und die Bedingungen, die Kinder brauchen, um psychisch und körperlich gesund gross zu werden. Dazu erfahren Sie als Eltern fast täglich aus unterschiedlichen Quellen neue Fakten. Fast immer wird dabei Ihr elterliches Verhalten hinterfragt. Es werden reichlich Ratschläge gegeben, wie Sie mit Ihrem Kind am besten umgehen. Vielleicht stellt sich bei Ihnen angesichts dieser Informationsflut die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" ein. Damals wuchsen Kinder noch in Grossfamilien auf. Die Erziehung fand aus dem Gefühl heraus statt, und man orientierte sich daran, wie es die Oma und die Tante mit den Kindern gemacht hat.
 
 
In der heutigen Gesellschaft stehen Sie als Eltern nicht nur mit ihrer Erziehungsverantwortung relativ alleine da. Es gibt zudem unendlich viele Modelle, zwischen denen Sie sich entscheiden können. Gleichzeitig steigen die Anforderungen, die unsere Welt an Kinder und Jugendliche stellt. Ihr Bedürfnis nach Information ist daher nicht nur verständlich, es ist auch notwendig. Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, was Kinder in ihren jeweiligen Altersstufen brauchen. Sie helfen Ihnen, sich zu orientieren und sich Anregungen zu holen für den täglichen Umgang mit Ihrem Kind. Verantwortung wahrnehmen und verantwortlich handeln heisst: Informieren Sie sich und beziehen Sie die neuen Erkenntnisse in Ihr Denken und Ihr alltägliches Handeln ein. Alle Informationen können aber das nicht ersetzen, was gerade im Umgang mit sehr kleinen Kindern wichtig ist - Ihr gesundes "Handeln nach dem Gefühl".
 
 
Kinder in den ersten drei Lebensjahren brauchen Rückhalt und Sicherheit, damit sie immer selbständiger werden. Dabei spielt Ihre emotionale Sicherheit eine entscheidende Rolle. In vielen Situationen kann es sinnvoller sein, dass Sie "aus dem Bauch heraus" handeln, als dass Sie krampfhaft den neuesten pädagogischen Empfehlungen folgen.

Trotzdem kann es in jeder Familie Situationen geben, in denen weder das eigene Gefühl weiterhilft noch gut gemeinte Ratschläge nützen. Scheuen Sie sich dann nicht, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir vom Eltern Kind Forum können Ihnen auf jeden Fall weiterhelfen.