Mit Grenzen umgehen
Grenzen bedeuten viel mehr als begrenzen, abgrenzen, eingrenzen. Es geht um zwei Pole einer Dimension:
a) Begrenzen: Hier geht es darum, genügend Kraft, Mittel, Macht zu haben, um Grenzen durchsetzen und durchhalten zu können. Beispiel: „Du darfst nicht ... (länger als 20.00 Uhr wegbleiben!“)
b) Orientieren: Hier geht es darum, genügend anregende und nährende Visionen zu haben, die einem die Ideen und das Material zur Verfügung stellen, um sich auf Grenzen hin zu orientieren. Beispiel: „Wie könnte es mir/Dir/uns gelingen, die Grenzen unserer Möglichkeiten auszuweiten?“
Im herkömmlichen Sinn betonen Grenzen mehr das Unterscheidende, die Unterschiede zwischen beispielsweise falsch und richtig, gut und böse, erlaubt und nicht erlaubt. Unterschiede sind aber immer etwas in Zusammenhängen, d.h. Unterschiede verweisen auf etwas Gemeinsames. Wenn Grenzen ohne Angebote oder wenigstens Hinweise auf Gemeinsames behandelt werden, erweisen sich Grenzen mit höherer Wahrscheinlichkeit als verletzend, respektlos, ausgrenzend, wirkungslos und sind meist Einladungen zum Streit.
Dadurch verlieren sie ihre positiv orientierenden Eigenschaften. Sie wirken dann meist nur noch als abwertend erlebte Versagungen, gegen die sich aufzulehnen geradezu als ein Selbsthilfeversuch darstellt.
Was kann helfen?
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Mut zur Unvollkommenheit. - Probleme sind keine Katastrophen, sondern Hinweise und Aufforderungen sich mit etwas zu beschäftigen und auseinanderzusetzen.
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Abfedern – Das Feuer kleiner nicht grösser machen.
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Kooperieren – Das gemeinsame Entwickeln von Grenzen, also Spielräumen, von Entwicklungschancen und Leitbildern für das Zusammenleben.
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Das alles braucht Zeit, Nerven, ausreichend gute Umstände, Freunde und Mitstreiter. Grenzen lassen sich nicht nebenbei setzen, geschweige durchhalten! Das braucht die ganze Mutter und den ganzen Vater.
Was kann noch helfen beim Grenzen ziehen?
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Nicht das Beste für das Kind, sondern das zuverlässig, ausreichend Gute. Erziehen als „sich aufeinander beziehen“ begreifen. Erziehen ist keine Methode, sich Kinder vom Hals zu schaffen, sondern im Gegenteil: Kontakt und Zuwendung. Grenzen als Orientierungshilfen begreifen, einsetzen und gestalten, nicht als Strafe oder Drohgebärde.
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Grenzen lassen sich besser halten und angemessen verändern, wenn sie freundlich, zugewandt, respektvoll und klar gezogen werden.
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Wenn Kinder Grenzen testen, könnte das auch als aktive Mithilfe begriffen werden. Immerhin geben Kinder auf diese Weise die notwendige Rückmeldung darüber, was funktioniert und was nicht. Darüber hinaus ist es auch eine Aufforderung an Eltern und Erziehende, ihre Kreativität und ihre Kondition zu überprüfen.
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Wenn Grenzen deutlich gemacht wurden, dann hilft nur zuverlässiges und zugewandtes Orientieren daran. Kinder sind nicht die einzigen, die sich an die Grenzen halten sollten!
Besonders wichtig:
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Grenzen setzen sollte keine impulsive Aktion sein, sondern bedachtes Handeln, am besten gemeinsam und vorausschauend.
Und schliesslich:
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Auch die Grenzen der eigenen Belastbarkeit, Grenzen der eigenen Kreativität, Grenzen der eigenen Lust und Freude am Erziehen verdienen Aufmerksamkeit und Respekt. Es geht nicht darum, keine Fehler zu machen, sondern darum, aus Fehlern zu lernen. Fehlerfreundlichkeit ist meist eine bessere Grundlage für zugewandtes Bemühen um klare und aufrichtige Grenzen, als das gnadenlose Ausmerzen von Abweichungen und Unvollkommenheiten.
Das Eltern Kind Forum bietet die Elternschule " Triple P – Positive Erziehung ist lernbar" an. Es finden fortlaufend Kurse im Eltern Kind Forum statt.