Eine der häufigsten Ursachen liegt darin, dass wir nur hören, was wir hören wollen und die Äusserungen unseres Gesprächspartners so interpretieren, dass sie in unser Weltbild passen und unsere Ansichten über ihn bestätigen. Das kann im Extremfall soweit führen, dass wir nur noch mit einer aus Vorurteilen, Mutmassungen und Unterstellungen zusammeninterpretierten Scheinperson kommunizieren. In jedem Falle gilt: Die selektive Wahrnehmung wird dem Gegenüber nicht gerecht, und Missverständnisse sind vorprogrammiert.
Probleme in der Kommunikation treten dann auf, wenn der Hörer das Gesagte in einem anderen Kontext wahrnimmt, als es vom Sprecher gemeint ist, also die dahinterliegende Botschaft falsch interpretiert. Nehmen wir zur Verdeutlichung das Ampelbeispiel zu Hilfe: Herr Mustermann fährt, Frau Mustermann sitzt neben ihm. Sie hat vor kurzem ihre Führerscheinprüfung bestanden und ist stolz darauf. Mit dem Satz „Die Ampel ist rot!“ möchte sie eigentlich nur deutlich machen, dass sie jetzt, im Gegensatz zu früher, aktiv am Verkehrsgeschehen Anteil nimmt. Er dagegen versteht die Botschaft als Kritik an seinem Fahrstil, reagiert mit Zurückweisung, was sie wiederum als machohafte Überheblichkeit und Geringschätzung ihrer Kompetenz interpretiert – und schon brennt die Luft im Hause Mustermann.
Viele Konflikte haben keine reale Grundlage. Sie basieren nur auf Missverständnissen, die durch richtiges, aktives Zuhören vermieden werden könnten. Die Technik des Aktiven Zuhörens, konsequent geübt und angewendet, kann viel dazu beitragen, Scheinkonflikte als solche zu erkennen und echte Probleme als das zu sehen, was sie sind: Herausforderungen, die nur von beiden Partnern gemeinsam gelöst werden können. Dabei sind verschiedene Sicht- und Herangehensweisen bei einer offenen, konstruktiven Kommunikationsstruktur kein Grund zum Streit, sondern eine Bereicherung. Sie ergänzen sich gegenseitig und führen oft zu völlig neuen, kreativen Lösungswegen.
Die goldenen Regeln des aktiven Zuhörens