Entwicklung von 6-12 Jahren
Um das 6. Lebensjahr treten erstaunliche Veränderungen ein und leiten eine neue Entwicklungsphase ein. Das Kind betritt die zweite Kindheitsphase und beginnt mit der aktiven Entwicklung seiner Persönlichkeit.
Die Eltern bemerken dies bei körperlichen Veränderungen des Kindes. Vor allem das Ausfallen des ersten Milchzahnes wird in vielen Familien gebührend gefeiert. Da besucht die Zahnfee das schlafende Kind und bringt Geschenke mit, oder das Kind erhält eine Zahnaufbewahrungsbox oder errichtet ein Fest. Ebenso werden die Beine und Arme im Verhältnis zum Körper länger und der Babyspeck verschwindet in die Vergangenheit. Die Kinder sprühen vor Energie und Tatendrang und wollen körperliche Herausforderungen bewältigen.
In den meisten Ländern treten die Kinder in diesem Alter in die Schule ein. Dies macht durchaus Sinn, denn der Wissensdrang der Kinder ist unendlich gross. Sie wollen alles erforschen, sind äusserst leistungsfähig, neugierig und sie wollen Zusammenhänge verstehen. Sie beginnen, die gewonnen Informationen einzuordnen, kritisch zu beurteilen und miteinander in Verbindung zu bringen.
Das gilt auch in der Beziehung zu ihren Eltern. Waren die Kinder in früheren Jahren noch verliebt in ihre Eltern, wollten diese heiraten, werden die Eltern jetzt genauer beobachtet, kritisiert und ihre Autorität in Frage gestellt. Die Kinder verlangen Eltern, welche authentisch sind, sich selbst und dem Kind gegenüber. Sie sollen nicht perfekt sein, sondern Fehler eingestehen und darüber sprechen. Denn auch wenn die ersten Rebellionsversuche eintreten, wieder einmal neue Grenzen getestet werden, die Kinder verlangen auch in diesem Alter von den Eltern Klarheit, Grenzen und Konsequenzen. Diese Konsequenzen sollen nicht im Sinne von Strafen ausgesprochen werden, sondern in angemessener Relation zum Konflikt stehen und einen Zusammenhang haben.
Das Kind macht sich jetzt ein Bild über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit; über Wahrheiten und Unwahrheiten, über Gut und Böse. Sie lernen sich in die Gefühle anderer einzudenken und wenden sich zum eigenen, selbstbestimmten Leben hin.
Die Familie bleibt immer noch Anlauf- und Erholungspunkt des Kindes. Es orientiert sich nun aber mehr nach Vorbildern ausserhalb dem Elternhau. Das Kind will sich in einem weiteren Schritt von seiner Familie lösen, eigenständig werden, seinen Aktionsradius erweitern und der Kontakt zu seinen Freunden nimmt einen neuen Stellenwert ein. Das Kind lernt in der Gruppe mit Gleichaltrigen verschiedene Rollen und damit sich selber kennen, Sozialkompetenzen werden eingespielt. Das Kind muss in diesem Prozess eigene Erfahrungen machen und mit Enttäuschungen fertig werden. Dazu braucht das Kind den Trost und das Verständnis der Eltern, wichtig ist jedoch ebenso, dem Kind die Freiheit zu gewähren, die Umwelt zu erobern. Eine blutige Nase ist mehr Lebensschule als eine Ueberbehütung in der Familie.
Sind Fragen zur Entwicklung des Kindes oder stellen sich Probleme in den Weg, das Eltern Kind Forum berät gerne und kompetent.